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North-Star-Architektur ebnet den Weg zum autonomen Unternehmen

Geschrieben von Loren Heilig | 16. Juli 2026

Viele Unternehmen haben inzwischen künstliche Intelligenz (KI) im Einsatz – als Copilot, als Add-on, als isoliertes Assistenz-Tool. Doch die Realität zeigt: Einzelne KI-Funktionen erzeugen keinen nachhaltigen Mehrwert, solange sie nicht in den Kern der Geschäftsprozesse eingebettet sind.

 

Mit der North-Star-Architektur verfolgt SAP einen Ansatz, der KI nicht als Ergänzung, sondern als strukturgebende Schicht des gesamten Unternehmens versteht. Der Unterschied ist grundlegend: Es geht nicht mehr darum, einzelne Aufgaben per KI zu automatisieren. Es geht darum, ein Unternehmen so aufzustellen, dass es als vernetztes, lernendes System agiert, in dem künstliche Intelligenz anwendungs- und bereichsübergreifend wirken kann. So entsteht das autonome Unternehmen (Autonomous Enterprise).

 

 

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Vier Layer für ein Ziel

Wer kritische Geschäftsprozesse mit KI steuern möchte, benötigt eine Architektur, die nicht nur intelligent, sondern auch beherrschbar ist. Die North-Star-Architektur besteht aus vier aufeinander aufbauenden Ebenen (Layern), die im Zusammenspiel die technische Infrastruktur für einen unternehmensweiten KI-Einsatz bereitstellen.

 

Die verschiedenen Layer der North-Star-Architektur (Quelle: SAP SE)

 

User Experience Layer

Im User Experience Layer gibt der Nutzer künftig seine Absicht in natürlicher Sprache an – und das System kümmert sich um die Ausführung. Der Anwender beschreibt, was er erreichen möchte, die eigentliche Umsetzung passiert daraufhin im Hintergrund. SAP Joule fungiert als konversationelle KI-Schnittstelle und stellt den einheitlichen Zugangspunkt für die Nutzer dar. Der entscheidende Unterschied zur bisherigen Benutzererfahrung: Die Anwender müssen nicht mehr zwischen verschiedenen Applikationen hin und her navigieren.

 

Process Layer

Auf der Prozessebene findet ein echter Paradigmenwechsel in der Anwendungsarchitektur statt: Applikationen werden nicht mehr primär für menschliche Nutzer konzipiert, sondern sollen in erster Linie Funktionen für KI-Agenten bereitstellen. Die KI-Agenten planen Prozesse systemübergreifend und führen sie eigenständig aus, wobei sie mit anderen Agenten zusammenarbeiten. Eine einheitliche Entwicklungsumgebung unterstützt und vereinfacht die Erstellung von Anwendungen und von KI-Agenten.

 

Foundation Layer

Der Foundation Layer bildet in gewisser Weise das Herzstück der North-Star-Architektur. Denn hier verschmelzen Daten und KI zum intelligenten Kern der Unternehmensprozesse. Es geht nicht nur darum, harmonisierte und aufbereitete Daten für die KI-Nutzung verfügbar zu machen, sondern auch darum, den erforderlichen Business-Kontext und die Semantik gleich mitzuliefern, sodass die KI-Agenten die passenden Zusammenhänge erkennen und daraus die richtigen Schlüsse ziehen können. Darin besteht die entscheidende Voraussetzung für die Wirksamkeit der Unternehmens-KI.

 

Platform Layer

Auf der Plattformebene werden Anwendungen, Agenten und Workflows ausgeführt. Die SAP Business Technology Platform (BTP) bietet kombinierbare Services für die Bereiche Datenmanagement, Anwendungsentwicklung, Integration und Sicherheit. Als unterste Schicht stellt der Platform Layer die Laufzeitumgebung und die Governance für eine kontrollierte, sichere Ausführung bereit. Ohne diese Ebene ist ein unternehmensweiter, systemübergreifender Einsatz von KI nicht vorstellbar. Denn der Platform Layer bildet das Fundament für Zuverlässigkeit, Compliance und Sicherheit.

 

Governance: KI-Agenten als eigenständige Akteure

Im Rahmen der North-Star-Architektur und des autonomen Unternehmens werden KI-Agenten nicht als passive Werkzeuge betrachtet. Vielmehr gelten sie als selbständige Akteure mit eigener Identität, definierten Berechtigungen und Audit-Trail – analog zu menschlichen Mitarbeitern. In der Praxis ergeben sich daraus bestimmte Implikationen: Die KI-Agenten erhalten nur Zugriff auf die Ressourcen, die für ihre Aufgabe notwendig sind. Ihre Aktionen müssen jederzeit nachvollziehbar und auditierbar sein. Das klare Prinzip dahinter: Die künstliche Intelligenz darf niemals mehr wissen als der Mensch, in dessen Auftrag sie handelt. Sie agiert ausschließlich im Sicherheitskontext des authentifizierten Benutzers.

 

Unternehmen müssen ihre System- und Datenlandschaft KI-ready machen

Die North-Star-Architektur beschreibt den strategischen Pfad, entlang dessen SAP seine gesamte Plattform – von den Applikationen über die SAP Business Technology Platform bis hin zu SAP Joule – weiterentwickelt. Für Unternehmen, die ihre SAP-Landschaft transformieren und modernisieren möchten, bedeutet das: Die Entscheidungen von heute – mit Blick auf Datenmodelle, Schnittstellendesign, Berechtigungskonzepte etc. – bilden die Grundlage für die KI-Fähigkeiten von morgen. Eine saubere, semantisch angereicherte Datengrundlage und eine durchdachte Integration sind keine optionalen Extras, sondern die maßgeblichen Voraussetzungen für künftige Wettbewerbsfähigkeit.

 

Einordnung aus Sicht eines SAP-Partners

Was in der Theorie überzeugend klingt, muss sich in der Praxis noch beweisen. Denn zur Wahrheit gehört auch, dass es sich bei den Elementen der North-Star-Architektur bisher größtenteils um Ankündigungen handelt. Stand heute sind die Bestandteile der SAP Autonomous Suite noch nicht verfügbar. Daher ist SAP dringend gefordert, den ambitionierten Worten jetzt auch Taten folgen zu lassen und die versprochenen Funktionalitäten bereitzustellen, damit der flächendeckende KI-Einsatz im Unternehmen Realität werden kann. Es braucht einen klaren Zeitplan und SAP muss in absehbarer Zeit liefern – nur so entsteht die Verlässlichkeit, die Unternehmen benötigen, um sich auf die schöne, neue KI-Welt von SAP einzulassen.

 

Übrigens: Wer schön länger im SAP-Ökosystem unterwegs ist, könnte sich bei der Betrachtung der verschiedenen Ebenen der North-Star-Architektur an die Vergangenheit erinnert fühlen. Denn sie weist starke Ähnlichkeiten mit dem 2004 vorgestellten SAP NetWeaver auf. Das war damals der erste SAP-Stack mit explizitem Technologiefokus – und bei den Unternehmen gab es einen enormen Bedarf, diese technologische Basis zu etablieren. Mit Blick auf die SAP Autonomous Suite und die North-Star-Architektur könnte sich Geschichte nun wiederholen. Denn erneut geht es für die Unternehmen darum, die erforderliche Infrastruktur zu schaffen, um anschließend die darauf aufbauenden Innovationsthemen umsetzen zu können.

 

Fazit: Strategische Weichenstellungen für die Zukunft

Mit der North-Star-Architektur setzt SAP einen klaren technischen Rahmen dafür, wie agentische KI in den Kernprozessen von Unternehmen funktionieren soll: nicht als einzelne Features, sondern als durchgängige, vertrauenswürdige und steuerbare Intelligenzschicht über alle Prozesse hinweg. Der Weg dorthin erfordert mehr als die Einführung neuer Tools oder Lösungen – er erfordert unternehmensseitig eine strategische Auseinandersetzung mit den Themen Architektur, Daten sowie Governance und mit Blick auf SAP ein deutlich höheres Tempo bei der Bereitstellung der angekündigten Funktionalitäten. Damit sich der aktuelle Stand und das finale Zielbild immer weiter annähern und schließlich ineinander aufgehen.