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Wie Unternehmen ihr Geschäft mit dem Internet of Things ausbauen

Geschrieben von Mayank Parihar | 4. November 2021

Das Industrial Internet of Things (IIoT) verbindet intelligente Geräte und Maschinen mit Geschäftswerten. Es bietet diverse Chancen, um Innovationen zu schaffen, bestehende Geschäftsmodelle zu optimieren und neue Geschäftsmodelle hervorzubringen. Unternehmen sind stets bestrebt, ihr Business in jeder Hinsicht (Umsatz, Produktivität, Marktreichweite, Nutzerzufriedenheit) auszubauen. Dabei kann die Einbeziehung neuer Technologien helfen. Die Corona-Pandemie hat gezeigt, dass Unternehmen, die neue Technologien besser adaptieren als ihre Wettbewerber, auch in Krisenzeiten wachsen können.

 

 

Die heutigen Herausforderungen erfordern neue Lösungen

 

 

Potenzial für Wachstum

Allerding bleiben die Wachstumschancen ungenutzt, solange es nicht gelingt, Datenerfassung, Datenaustausch und Datenanalyse zu harmonisieren sowie echte Interoperabilität zwischen diesen Themen herzustellen. Das Industrial IoT bietet die Möglichkeit, sämtliche Wissensströme aus verschiedenen Geschäftsbereichen zu verbinden. Auf dieser Grundlage sind Unternehmen in der Lage, neue Geschäftsmodelle einzuführen und ihre Wachstumschancen mit Blick auf Dienstleistungen, Plattformen oder Produktinnovationen zu erhöhen.

 

Mit dem Einsatz des Internet of Things lassen sich die Vorteile unterschiedlicher Geschäftsmodelle nutzen und die damit verbundenen Potenziale heben. So ermöglicht das Industrial IoT beispielweise, Geschäftsmodelle aus dem Business-to-Business-Bereich (B2B) auf den Business-to-Customer-Sektor (B2C) zu übertragen. In den vergangenen Jahren haben sich verschiedene Geschäftsmodelle auf Basis des Industrial IoT entwickelt und etabliert.

 

IoT-Geschäftsmodelle

 

Plattformbasiertes Geschäftsmodell

Das plattformbasierte Geschäftsmodell schafft Mehrwerte durch den Austausch zwischen zwei oder mehreren Gruppen, insbesondere zwischen Verbrauchern und Herstellern. Verbraucher können intelligente Geräte oder Maschinen über eine einzige digitale Plattform, Anwendung oder API nutzen. Beispiele sind Amazon Alexa oder Google Assistant. Plattformbasierte Geschäftsmodelle befreien Kunden von der Herstellerbindung und eröffnen wertvolle Einblicke in die Gerätedaten. Die Interoperabilität und Vernetzung der Geräte schafft ein nahtloses Erlebnis für den Verbraucher. Plattformbasierte Geschäftsmodelle generieren Einnahmen durch die Monetarisierung der Transaktionen zwischen Gerät und Plattform des Herstellers.

 

Outcome-basiertes Geschäftsmodell

Die Idee hinter dem outcome-basierten Geschäftsmodell ist, dass Endnutzer nur für den Wert/die Dienstleistung/das Gut bezahlen, den/die/das sie auch wirklich benötigen und nutzen. Innovative Mobilitätsdienstleister wie Uber oder Lime Scooter setzen auf ein solches Geschäftsmodell. Fertigungsunternehmen können ihr Geschäft mithilfe des Industrial IoT erweitern, indem sie Leasing- oder Wartungsdienste anbieten. Selbstüberwachende Produkte, die automatisch Verbrauchsgüter oder Ersatzteile nachbestellen oder eine Serviceanforderung erstellen können, sind typische Beispiele für diese Art von Geschäftsmodell.

 

Datengetriebenes Geschäftsmodell

Ein berühmtes Zitat des Mathematikers Clive Humby lautet: „Daten sind das neue Öl“. Der Erfolg von Tech-Giganten wie Facebook, Google und Amazon in den vergangenen zehn Jahren zeigt, dass ein Unternehmen, das sich Daten zunutze macht, enorme Gewinne erzielen kann. Diese Entwicklung wurde durch das Internet und die kostengünstige Datenspeicherung überhaupt erst möglich. Intelligente Geräte und Maschinen senden bereits heute Hunderte von Zettabytes pro Jahr. Diese riesigen Datenmengen versetzen Unternehmen in die Lage, neue Geschäftsfelder zu etablieren und aus Daten Profit zu erzielen. Durch die Analyse der von intelligenten Geräten in der IoT-Infrastruktur gesammelten Daten lässt sich Mehrwert generieren. So können Unternehmen beispielsweise Dienstleistungen wie Predictive Maintenance, Field Service Management, automatische Nachbestellung, vorausschauende Produktion oder Lösungen zur Produktionsoptimierung offerieren.

 

Service-Geschäftsmodell

Beim Service-Geschäftsmodell bietet ein Unternehmen software- oder hardwarebasierte Lösungen, die IoT-Funktionen und -Dienste für vorhandene Produkte bereitstellen. Der Vorteil: Das bisherige Business kann mit geringem Aufwand und ohne grundlegende Änderungen oder Anpassungen erweitert werden. Ein Beispiel ist der Einbau von Embedded-Technologie in Fertigungsmaschinen. Dadurch wird die gesamte Produktionslinie in die IoT-Infrastruktur integriert und produktionsbezogene Maschinendaten werden an IoT-Dienste gesendet. Das verschafft Fertigungsunternehmen die Möglichkeit, ihre Produktionslinien zu optimieren, Predictive Maintenance anzubieten oder Field Services zu integrieren.

 

Use Cases aus der Praxis

In verschiedenen Projekten haben wir Unternehmen dabei unterstützt, eine IoT-Infrastruktur aufzubauen, passende Anwendungen zu implementieren und von neuen Geschäftsmodellen zu profitieren. Das Internet of Things ist ein entscheidender Wegbereiter für Unternehmen, um ihr Portfolio mithilfe von digitalen Diensten zu ergänzen oder ihre Prozesse zu optimieren. In der Regel errichten Unternehmen eine IoT-Architektur, um ein bestimmtes Geschäftsmodell zu verfolgen. Sobald die Architektur verfügbar ist, lässt sie sich aber auch für zusätzliche IoT-Ansätze nutzen.

 

Ein Beispiel: Ein Unternehmen aus der Metallverarbeitung hat seine Industrie-Container intelligent gemacht. Verschiedene Sensoren erfassen permanent Daten zu Temperatur, Druck, Füllstand sowie Licht und übermitteln sie an eine IoT-Anwendung. Zusätzlich verfügen die Container auch über Geo-Lokalisierung mit Netzwerkkonnektivität. So deckt die IoT-Lösung mehrere Use Cases wie Anlagenüberwachung, Compliance-Management, Prozessoptimierung und Lageroptimierung ab.

 

Ursprünglich wurde die IoT-Plattform als datengetriebenes Geschäftsmodell für das Unternehmen entwickelt. Allerdings birgt die Lösung das Potenzial für eine breitere Nutzung. Da viele Unternehmen Container für unterschiedliche industrielle Zwecke im Einsatz haben, lässt sich die Sensorik leicht an die individuellen Anforderungen von Unternehmen anpassen. Die Anwendung wird in eine Plattform umgewandelt, die mehrere Unternehmen nutzen können. Ein Logger-Gerät mit allen erforderlichen Sensorfunktionen verwandelt die Container in intelligente Geräte.

 

Produktionslinien effizienter machen

Andere Projekte drehten sich um industrielle IoT-Lösungen für die Optimierung von Produktionslinien. Datengetriebene Geschäftsmodelle sorgen für Einblicke in den Zustand der Geräte und Maschinen während des Betriebs, sodass die Produktion effizienter gestaltet und vorausschauende Wartung betrieben werden kann. Andere realisierte Anwendungsfälle reichen von der automatischen Nachbestellung von Teilen auf der Grundlage von Schadensanalysen über das Anlegen von Incidents bis hin zu Field Service Management, Produktinnovationen und Lagerverwaltung. Mithilfe von smarten Geräten und IoT-Anwendungen kombinieren Unternehmen die Vorteile aus datengetriebenen und outcome-basierten Geschäftsmodellen.

 

Das Industrial IoT bietet wertvolle Synergieeffekte, indem es die Abhängigkeit der verschiedenen Geschäftsbereiche – zwischen Produktion, Lager und Logistik oder zwischen Produktinnovation und Produktservice – sichtbar macht und ein besseres Verständnis für die Zusammenhänge vermittelt. Das versetzt Unternehmen in die Lage, ihre Prozesse zu optimieren, ihre Produkte zu verbessern und neue digitale Dienstleistungen einzuführen.

 

Mögliche Risiken

Es ist wichtig, darauf hinzuweisen, dass Investitionen in das Industrial IoT ohne eine gründliche vorherige Analyse der Geschäftsmodelle und ausführliche Tests zur Technologieeinführung scheitern können. Verschiedene Faktoren tragen zum Scheitern eines Projekts bei der Einführung neuer Technologien bei. Die wichtigsten Problemfelder sind:

  • Definition

    • Unklarer Business-Use-Case

    • Ungenaues Geschäftsziel

    • Schwache Projektergebnis-Matrix

  • Scope

    • Unzureichendes Anforderungsmanagement

    • Unklare Anforderungsdefinition und -priorisierung

  • Unterstützung

    • Fehlende Technologie-Orientierung der Unternehmensführung

    • Unzureichende Technologie-Unterstützung

  • Management

    • Schlechtes Projektmanagement

    • Fehlende Kommunikation

  • Fachkräfte

    • Fehlende Technologie-Experten

    • Mangel an allgemeinen Entwicklungsressourcen

Nach unserer Erfahrung stellen die ersten drei Schwierigkeiten die Hauptgefahren für das Scheitern von Projekten, für Verzögerungen oder für eskalierende Kosten dar. Es ist entscheidend, sich ausreichend Zeit für die Projekt- und Scope-Definition zu nehmen, bevor die technologische Umsetzung startet.

 

Inkrementelle Projekte sind erfolgversprechender als Großprojekte. Wenn es um innovative Technologien geht, ist die Wahrscheinlichkeit, dass „große“ Projekte scheitern, deutlich höher als bei kleineren Projekten. Damit die Business-Transformation gelingt, sollten Unternehmen von Großprojekten Abstand nehmen und sich eher auf MVPs (Minimum Viable Product) fokussieren. So lassen sich schrittweise Erfolge erzielen. MVPs bieten die Chance, mit geringem Risiko maximale Innovation zu realisieren.

 

MVP bringt Vorteile

„Ein Schiff im Hafen ist sicher, aber es ist nicht das, wofür Schiffe gebaut werden“, sagte der Philosoph William Shedd im 19. Jahrhundert. Mit anderen Worten: Unternehmen, die sich nicht mit Innovation durch IoT und Digitalisierung beschäftigen, ignorieren wichtige Wachstumschancen. Wenn sie das Potenzial des Industrial IoT nicht nutzen, laufen sie Gefahr, langfristig ihren Wettbewerbsvorteil zu verlieren.

 

MVPs helfen dabei, das Innovationstempo hochzuhalten und das Risiko des Scheiterns von Projekten zu begrenzen. MVP-Projekte bieten Unternehmen die Möglichkeit, die Vorteile eines Produkts zu verstehen und zu erleben – bei geringen Kosten. Durch sie können Unternehmen den Wert des Industrial IoT für ihr Business nachweisen, indem das Geschäftsmodell verbessert oder erweitert wird.

 

Anpassung durch Technologie

Bei geringem Risiko nutzen Unternehmen die Vorteile des Industrial IoT, um Mehrwerte zu generieren: Produktinnovation, digitalisierte Produktdienstleistungen, verbesserte Wartung, erhöhte Produktlebensdauer, optimierte Produktion und verbesserter Markenwert durch zuverlässige Produkte. Es ist entscheidend, das Geschäftsmodell im Wandel der Zeit und der Technologien immer wieder anzupassen und weiterzuentwickeln.

 

Der wirtschaftliche Erfolg wird in den kommenden Jahren immer stärker von der Agilität eines Unternehmens und seiner Anpassungsfähigkeit an sich verändernde Szenarien bestimmt – das hat die Corona-Pandemie bereits gezeigt. Die Digitalisierung mithilfe des IoT ist wie ein mit Technologie beladenes Schiff, das enorme Kapazitäten für die Business-Transformation im kommenden Jahrzehnt mitbringt und mit dem Unternehmen durch das Fahrwasser des Erfolgs steuern.