Wer Daten in ein neues System überführt, hat die Erwartung, dass die Daten nach der Migration vollständig, korrekt, redundanzfrei und qualitätsgesichert vorliegen. Damit das gelingt, gilt es unter anderem zu berücksichtigen, aus welchem Quellsystem (SAP oder Nicht-SAP) die zu überführenden Daten stammen. Eine weitere Anforderung von Unternehmen ist häufig, dass die Migration ohne großen Programmieraufwand realisierbar sein soll – wobei zumindest bestimmte Anpassungen in der Regel erforderlich sind.

 

Die Phasen einer Datenmigration im Überblick

 

Betrachtet man die verschiedenen Phasen eines Datenmigrationsprojekts, steht nach der Analyse und der Bereinigung der Daten die eigentliche Migration an. In dieser Phase müssen Unternehmen zunächst die Kriterien für die Auswahl des Migrationstools definieren. Außerdem ist die Frage zu klären, wie die Datenübernahme in das neue System genau ablaufen soll.

 

Was gilt es bei der Datenmigration zu beachten?

Um die Datenmigration reibungslos abzuwickeln, sollten Unternehmen im Vorfeld einige grundlegende Entscheidungen treffen. Dazu gehört die Festlegung, welche Daten in welcher Tiefe migriert werden sollen. Zudem müssen sich die Unternehmen darüber klar werden, auf welchem Weg sie die Daten migrieren möchten und welche technologische Basis ihnen dafür zur Verfügung steht. Eine entscheidende Rolle bei der Auswahl des richtigen Migrationstools spielen die vorhandenen Lizenzen. Beispielsweise bringt SAP Data Services bereits im Standard eine ETL-Funktionalität (ETL = Extrahieren, Transformieren, Laden) mit, wohingegen die Funktionen zur Optimierung der Datenqualität lizenzpflichtig sind. Ferner ist für die Auswahl des passenden Tools auch das Volumen der zu migrierenden Daten relevant.

 

Mit Blick auf den Business Case sind zwei Optionen möglich: Entweder baut das Unternehmen mit einem Initial Load ein neues System auf oder es verfügt bereits über ein System, in das es Datenbestände ergänzend laden möchte. Darüber stellt sich die Frage, ob das Unternehmen vorab bestimmte Maßnahmen zur Qualitätssicherung durchführen möchte, zum Beispiel Umschlüsselungen von Feldern oder Bereinigungen. Im Falle einer Bereinigung muss das Projektteam entscheiden, ob die Bereinigung maschinell und/oder manuell durchgeführt werden soll. Denn das hat nicht nur Auswirkungen auf das zu wählende Tool, sondern auch auf den zeitlichen Verlauf.

 

Wege nach SAP S/4HANA

Möchte ein Unternehmen auf SAP S/4HANA migrieren, stehen drei unterschiedliche Szenarien zur Auswahl. Bei der Neuimplementierung wird SAP S/4HANA als komplett neues System aufgesetzt. Dieser sogenannte Greenfield-Ansatz erfordert ein anfängliches Laden der Daten. Da Stamm- und Transaktionsdaten aus dem Altsystem migriert werden, bietet es sich an, die SAP-Standard-Tools und -Inhalte für die Datenmigration zu verwenden. Die Neuimplementierung kommt für Unternehmen infrage, die bisher ein Nicht-SAP-System oder SAP ERP im Einsatz haben.

 

Migrationsszenarien SAP S/4HANA | IBsolution

Die verschiedenen Migrationsszenarien, um auf SAP S/4HANA zu kommen

 

Als System Conversion wird die Umstellung einer vorhandenen SAP Business Suite auf SAP S/4HANA bezeichnet. Sofern SAP HANA noch nicht als Datenbank zugrunde liegt, umfasst die System Conversion technisch die Database Migration Option (DMO) aus dem Software Update Manager (SUM), um die erforderlichen Funktionalitäten für die Migration bereitzustellen.

 

Das dritte Szenario ist die Landscape Transformation. Hierbei werden mehrere lokale SAP-Systeme auf ein globales SAP S/4HANA-System konsolidiert oder einzelne Bestandteile, zum Beispiel Buchungskreise, in ein separates SAP S/4HANA-System überführt.

 

Verfahren für die Datenmigration

Um Daten nach SAP S/4HANA zu bringen, gibt es drei unterschiedliche Wege: den Datei-Upload, die Staging-Tabellen oder den Direct Approach, bei dem die Daten direkt vom bestehenden SAP-System in SAP S/4HANA geladen werden. Der Datei-Upload ist sowohl für die On-Premise- als auch für die Cloud-Version von SAP S/4HANA verfügbar. Ein Vorteil dieser Methode ist, dass sie für jedes Quellsystem – SAP und Nicht-SAP – anwendbar ist. Aus Sicherheits- und Zeitgründen ist der Datei-Upload eher für kleine Datenmengen geeignet. Die Befüllung der Dateien erfolgt mithilfe vorgegebener XML-Templates.

 

Vergleich Migrationsverfahren | IBsolution

Übersicht der Migrationsverfahren

 

Die Staging-Tabellen sind eine besonders elegante Variante der Migration. Sie stehen ebenfalls für SAP S/4HANA on-premise und SAP S/4HANA Cloud zur Verfügung und sind für jedes Quellsystem anwendbar. Zudem eignen sie sich für große Datenmengen. Um die Staging-Tabellen zu befüllen, können Unternehmen SAP Data Services, Smart Data Integration (SDI), SAP HANA Studio, open SQL oder ein anderes beliebiges ETL-Tool verwenden. Wer sich in der SAP-Welt bewegt und über die entsprechenden Lizenzen verfügt, findet aufgrund der enthaltenen ETL-Tools und Data-Quality-Funktionalitäten in SAP Data Services die beste Option.

 

Der Direct Approach aus dem SAP-System steht nur für SAP S/4HANA on-premise zur Verfügung. Die Methode ist für kleine und große Datenmengen gleichermaßen geeignet. Die Daten lassen sich direkt aus dem SAP-Quellsystem ohne zwischengeschaltete Systeme und ohne Funktionsbrüche selektieren und transferieren. Der Direct Approach ist insbesondere für auf ABAP basierende SAP-Quellsysteme zu empfehlen.

 

Welche Migrations- und Analyse-Tools gibt es?

SAP hat eine Vielzahl an Tools für die Datenmigration im Portfolio. SAP Data Services, SAP Rapid Data Migration und SAP Information Steward bringen alle notwendigen Funktionalitäten mit, um Daten zu transformieren. SAP Information Steward führt zudem auch Analysen und Bereinigungen durch. SAP Legacy System Migration Workbench (LSMW) ist zwar etwas in die Jahre gekommen, erfüllt aber noch die grundlegenden Anforderungen an ein Migrationstool. Als Neuanschaffung ist es jedoch nicht mehr zu empfehlen.

 

Migrations- und Analyse-Tools | IBsolution

Die Vielfalt der Migrations- und Analyse-Tools

 

Das SAP S/4HANA Migration Cockpit ist in SAP S/4HANA enthalten und hat sich in Kombination mit SAP Data Services als Option für die Datenmigration bestens bewährt. Künftig wird es voraussichtlich das Tool der Wahl von SAP sein. SAP Master Data Governance, Consolidation eignet sich besonders, wenn man bereits Daten in einem System hat und diese konsolidieren möchte. Mit dem Tool lässt sich aus mehreren Input-Daten ein Best Record erzeugen. Grundsätzlich spricht auch nichts dagegen, Nicht-SAP-Systeme für die Migration zu verwenden, wenngleich es dadurch komplizierter wird, die SAP-Funktionalitäten nachzubilden.

 

Für die Migration nach SAP S/4HANA on-premise lassen sich alle genannten Migrationstools verwenden, unabhängig davon, ob ein Unternehmen von SAP R/3, von SAP ERP oder vom ERP-System eines anderen Anbieters kommt. Für die Migration nach SAP S/4HANA Cloud kommt nur das SAP S/4HANA Migration Cockpit infrage. Zudem ist für die SAP S/4HANA Cloud Private der Migration Object Modeler verfügbar. Mit ihm können die von SAP gelieferten Objekte um eigene Objekte ergänzt bzw. die bestehenden Objekte angepasst werden.

 

Workflow mit SAP S/4HANA Migration Cockpit und SAP Data Services

Unabhängig vom Quellsystem lassen sich die ETL-Funktionalitäten von SAP Data Services immer nutzen. Mit einer entsprechenden Lizenz stehen auch die Data-Quality-Funktionalitäten zur Verfügung. Das SAP S/4HANA Migration Cockpit wird mit den Daten von SAP Data Services befüllt. Zu diesem Zeitpunkt hat der Fachbereich noch die Möglichkeit, Veränderungen an den Daten vorzunehmen.

 

Das SAP S/4HANA Migration Cockpit ist für die Cloud- und für die On-Premise-Version (ab Release 1610) von SAP S/4HANA verfügbar. Da das Tool in SAP S/4HANA integriert ist, sind keine zusätzlichen Bereitstellungen oder Konfigurationen erforderlich. SAP liefert bereits vorab bestimmte Migrationsobjekte mit. Für das Laden von Altdaten lassen sich Flatfiles, Staging-Tabellen oder SAP-Quellsysteme verwenden. Bei der Migration via Dateitransfer werden die gelieferten Daten im SAP S/4HANA Migration Cockpit prozessiert und überprüft. An dieser Stelle sind Datenvalidierungen und das Integrieren von Custom Objects möglich. Am Ende des Prozesses werden die Daten dann auf Knopfdruck in das neue System geladen.

Minimales Risiko und schnelle Umsetzung

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