Spielt ein Unternehmen mit dem Gedanken, von einem vorhandenen BW-System auf SAP BW/4HANA zu migrieren, sieht seine Ausgangslage vermutlich folgendermaßen aus: Die Mehrzahl der Unternehmen hat aktuell SAP BW 7.5 im Einsatz, nachdem der Support für alle BW-Releases, die älter sind als SAP BW 7.5 sind, inzwischen eingestellt worden ist. Darüber hinaus steht das Unternehmen vor der Aufgabe, die künftige Bereitstellungsart der Business-Intelligence-Landschaft zu erörtern: Bleibt das Unternehmen mit SAP BW/4HANA beim On-Premise-Ansatz oder schlägt es den Weg in Richtung Cloud ein?

 

On-premise, aus der Cloud oder hybrid

Grundsätzlich sind beide Richtungen denkbar: SAP hat sich dazu bekannt, dass sowohl die On-Premise-Option als auch die Cloud-Variante erhalten bleiben. Es ist also nicht geplant, die existierenden On-Premise-Systeme vollständig durch Cloud-Lösungen zu ersetzen. Wofür sich ein Unternehmen entscheidet, hängt auch von strategischen Überlegungen ab. Je nachdem, wie die Entscheidung ausfällt, führt die On-Premise-Variante zu SAP BW/4HANA und SAP SQL Data Warehousing, während bei der Cloud-Option die SAP Data Warehouse Cloud in den Fokus rückt. Aber auch hybride Szenarien, bei denen sich beide Ansätze gegenseitig ergänzen, haben ihre Berechtigung. In diesem Fall würde das Unternehmen seine On-Premise-Lösungen sinnvoll um geeignete Cloud-Funktionalitäten erweitern.

 

SAP selbst betrachtet den hybriden Ansatz, der ein Zusammenspiel von SAP BW/4HANA und SAP Data Warehouse Cloud vorsieht, offenbar als sinnvolle Option. Zumindest enthält das SAP BW/4HANA Service Pack 7 vom Dezember 2020 eine Reihe von Anpassungen, die ein solches Zusammenspiel erleichtern. Hier kann SAP BW/4HANA seine Stärken einbringen: Dank der Offenheit des Systems lassen sich Daten aus nahezu allen Quellen anbinden. Daten aus dem ERP-System werden mittels ODP extrahiert und in SAP BW/4HANA verarbeitet. Die Integration von Daten aus Nicht-SAP-Systemen erfolgt über Smart Data Integration (SDI) mit verschiedenen Adaptern für die Datenbanken.

 

Gründe für den Umstieg auf SAP BW/4HANA

Für Unternehmen, die SAP BW 7.5 nutzen, lohnt sich der frühzeitige Wechsel zu SAP BW/4HANA aus mehreren Gründen: SAP setzt Innovationen ausschließlich in SAP BW/4HANA und nicht mehr in früheren SAP BW-Versionen um. Das Zusammenspiel von SAP BW/4HANA und der neuesten ERP-Generation SAP S/4HANA vereinfacht zahlreiche Prozesse. Darüber hinaus bietet die jüngste Business-Warehouse-Generation von SAP vielfältige Möglichkeiten für neuartige Modellierungen und Objekte sowie eine leichtere Administration.

 

Dementsprechend stellt sich die Frage, wie der Umstieg am besten gelingt. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um auf SAP BW/4HANA zu migrieren. Welche die richtige ist, muss jedes Unternehmen vor dem Hintergrund seiner individuellen Voraussetzungen selbst entscheiden.

  • Greenfield-Ansatz (Neuinstallation)

    Alle Reporting-Anwendungen und Objekte werden auf Basis von SAP BW/4HANA neu erstellt. Aus dem bisherigen BW-System werden keine Datenmodelle übernommen.

  • In-place Conversion

    Die bestehende BW-Installation wird komplett im System migriert und das System anschließend technisch auf SAP BW/4HANA gebracht. Voraussetzungen sind SAP BW 7.5 und eine HANA-Datenbank sowie die Installation des BW/4HANA Starter Add-ons.

  • Remote Conversion

    Zunächst wird das SAP BW/4HANA-System aufgesetzt, im zweiten Schritt erfolgt die Auswahl der Datenmodelle, die aus dem Altsystem auf SAP BW/4HANA konvertiert werden sollen.

  • Shell Conversion

    Sie ähnelt der Remote Conversion, allerdings werden nur die Metaobjekte, aber keine Daten migriert.

  • Landscape Transformation (Systemkonsolidierung)

    Mehrere BW-Systeme werden in ein SAP BW/4HANA-System konsolidiert. In der Praxis ist dies die seltenste Migrationsvariante.

 

Warum die Prepare Phase so wichtig ist

Eine der entscheidenden Projektphasen für eine erfolgreiche Migration auf SAP BW/4HANA ist die Prepare Phase, die den Umstieg vorbereitet. Sie bietet Unternehmen die Gelegenheit, viele relevante Details in Erfahrung zu bringen und zu analysieren, wie sich das System verhält. Wer in der Prepare Phase gewissenhaft arbeitet, spart Kosten und beugt Fehlern im weiteren Verlauf der Migration vor.

 

Es stehen zahlreiche Schritte an, die für die Migration erforderlich sind. In Bezug auf die Simplification Items gilt es zu prüfen, welche BW-Objekte in der vorliegenden Modellierung automatisiert nach SAP BW/4HANA migriert werden können und welche manuell betrachtet werden müssen. Aus dieser Analyse lassen sich die notwendigen Arbeitspakete ableiten und die erforderlichen Aufwände realistisch abschätzen. Das Abarbeiten der Simplification Items bietet zudem die Chance, das System zu bereinigen und nicht mehr benötigte Objekte zu löschen.

 

Das Festlegen auf die Migrationsmethode ist ebenfalls elementarer Bestandteil der Prepare Phase. Die Wahl der passenden Methode ergibt sich aus der Analyse der vorhandenen Datenmodelle und der Systemgegebenheiten. Es hat sich bewährt, eine Bewertungsmatrix zugrunde zu legen, die bestimmte für die Migration relevante Aspekte anhand von Punkten gewichtet. Aus der Gesamtpunktzahl lässt sich dann eine Empfehlung für eine Migrationsmethode ableiten.

 

Zu den Aufgaben in der Prepare Phase gehört auch die Überprüfung der Systemvoraussetzungen. Die erforderlichen Tätigkeiten umfassen beispielsweise einen Sizing Check, die Beantwortung der Frage nach der Datenbank-Plattform und gegebenenfalls ein Release-Upgrade. Mit dem SAP BW Checklist Tool for SAP HANA und dem SAP Readiness Check for ODP stellt SAP hilfreiche Tools zur Verfügung, um sich einen Überblick zu den Systemvoraussetzungen zu verschaffen.

 

Arbeitsschritte bei der Remote Conversion

Nehmen wir an, ein Unternehmen hat sich aufgrund der Analysen in der Prepare Phase und der Ergebnisse der Bewertungsmatrix für die Remote Conversion als Migrationsmethode entschieden. In diesem Fall steht nun eine Reihe von Arbeitsschritten an, die wir im Folgenden beleuchten.

 

Schritt 1: Initiales SAP BW/4HANA-Setup

Zunächst muss das SAP BW/4HANA-System neu installiert werden. Ebenso ist die Installation des SAP Landscape Transformation Add-ons (DMIS) auf dem Sender- und dem Empfängersystem erforderlich. Dieses Tool sorgt für die Übertragung von SAP BW auf SAP BW/4HANA. Die Installation erfolgt über den Maintenance Planner und den Software Provisioning Manager. Nun sind die alte SAP BW-Landschaft und die neue SAP BW/4HANA-Landschaft parallel vorhanden.

 

Schritt 2: Update der Migrations-Tools

Als nächstes folgt das Update der benötigten SAP Migrations-Tools auf dem BW-System mithilfe der SAP Note 1909597 (SAP BW Migration Cockpit). Sie enthält Anhänge mit dem aktuellen Code. Das manuelle Update der Programme wird mit der Transaktion SE38 durchgeführt.

 

Schritt 3: Berechtigungen vergeben

Jetzt müssen die Berechtigungen vergeben werden. Fehlende Berechtigungen sind erfahrungsgemäß die häufigste Ursache für Probleme bei der Migration und führen zu deren Abbruch. Eine erfolgreiche Migration erfordert diverse Berechtigungen auf dem Sender- und dem Empfängersystem. Dafür müssen Rollen mit den benötigten Berechtigungen angelegt werden. Die entsprechende SAP Note 2328530 enthält eine Excel-Datei mit allen nötigen Berechtigungen. Sie wird als Rolle in das SAP BW importiert, in ihr sind die Berechtigungsobjekte ausgeprägt. Um die vielen SAP Notes einzuspielen, ist es wichtig, immer das neueste Service Pack als Grundlage für die Migration zu verwenden.

 

Schritt 4: Ausführen des SAP Note Analyzer

Nun steht das Ausführen des Note Analyzer im Quell-, BW/4HANA- und BW-System an. Anschließend müssen die notwendigen SAP Notes im System implementiert werden.

 

Schritt 5: Anlegen des ODP-Quellsystems

Um ein SAP ERP-System an SAP BW/4HANA anzubinden, muss das ODP-Quellsystem angelegt werden. Damit sind die Voraussetzungen für die Migration geschafft.

 

Schritt 6: Einrichten der RFC-/Transport-Schiene

Jetzt beginnt die eigentliche Migration. Der sechste Schritt umfasst das Einrichten einer RFC-Verbindung zwischen dem SAP BW- und dem SAP BW/4HANA-System und das Anlegen der Transportschiene zwischen beiden Systemen. Dabei ist zu beachten, dass RFC-User eine spezielle Berechtigung benötigen.

 

Schritt 7: Definition der Scopes

Hier geht es darum, die Scopes zu definieren und eine sinnvolle Reihenfolge für die Migration aufzustellen. Zentrale Datenflüsse und Anwendungen sollten zuerst migriert werden.

 

Schritt 8: Vorbereiten der BW-Anwendungen

Im finalen Abschnitt erfolgt die Vorbereitung der BW-Anwendungen. Einige BW-Anwendungen können nicht automatisch mit dem Transfer-Tool migriert werden. Die Modellierung muss BW/4HANA-konform angepasst werden, unter Umständen ist auch eine Neumodellierung erforderlich.

 

Fazit

Mit der richtigen Vorbereitung und dem möglichst frühzeitigen Beheben möglicher Fehler in der Prepare Phase ist die anschließende Migration auf SAP BW/4HANA kein Problem mehr. Tatsächlich lassen sich viele Schwierigkeiten bei der Migration darauf zurückführen, dass in der Prepare Phase nicht sauber gearbeitet wurde. Die Prepare Phase verschafft eine gute Übersicht über die Arbeitspakete, bereitet das System auf die Migration vor, liefert eine Risikobewertung der Methoden, bietet die Möglichkeit einer realistischen Aufwandsschätzung und analysiert die Simplification Items. Die größten Vorteile, die sich aus einer sorgfältig bearbeiteten Prepare Phase ergeben, sind geringere Kosten und eine schnellere und reibungslose Migration auf SAP BW/4HANA.

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