Innerhalb weniger Wochen hat SAP sein Data-&-Analytics-Portfolio maßgeblich erweitert und drei strategisch bedeutsame Unternehmen übernommen: Dremio, Prior Labs und Reltio. Dabei handelt es sich um eine Data-Lakehouse-Plattform, ein KI-Startup und einen Spezialisten für Stammdaten-Management. Mit Blick auf die SAP-Strategie fügen sich die Zukäufe zu einem klaren Bild zusammen: SAP baut die technologische Grundlage, mit der sich die im Rahmen der Sapphire 2026 ausgerufene KI-Offensive mit Leben füllen lässt, konsequent weiter aus.

 


 

Setzen Sie auf künstliche Intelligenz, die direkt in Ihren Geschäftsprozessen wirkt

Jetzt SAP Business AI entdecken

 


 

Dremio: Data Lakehouse für ein offenes Daten-Ökosystem

Dremio definiert sich als Agentic Lakehouse, eine speziell für KI-Agenten entwickelte Datenplattform, die auf dem offenen Standard Apache Iceberg basiert. Das zentrale Versprechen: Hochperformante Abfragen über heterogene Datenquellen hinweg – ohne dass Daten physisch an einen zentralen Ort verschoben werden müssen. Dieses Prinzip der föderierten Architektur ist immer dann besonders relevant, wenn Unternehmen Daten aus einer Vielzahl an Quellen wie ERP-, HR-, CRM- oder produktionsseitigen Systemen zusammenführen müssen.

 

Was die SAP Business Data Cloud (BDC) angeht, werden die Möglichkeiten, externe Daten und Formate anzubinden, mit Dremio noch einmal erweitert. Zudem entsteht eine einheitliche Governance-Schicht für heterogene Datenlandschaften. Letztlich bedeutet die Übernahme von Dremio die konsequente Fortsetzung des eingeschlagenen Wegs hin zu einem offenen Daten-Ökosystem und eine stimmige Ergänzung der SAP BDC. SAP- und Nicht-SAP-Daten lassen sich nahtlos integrieren, um agentenbasierte KI in Unternehmen schneller und wirkungsvoller nutzbar zu machen.

 

Prior Labs: KI, die mit Tabellendaten umgehen kann

Das KI-Startup Prior Labs aus Freiburg hat mit TabPFN ein Foundation Model entwickelt – allerdings nicht für Text, sondern für tabellarische Daten. Während große Sprachmodelle bei unstrukturierten Inhalten überzeugen, stoßen sie bei klassischen ERP-Daten – also Verkaufszahlen, Lagerständen oder Personalplanung – schnell an ihre Grenzen. TabPFN schließt diese Lücke: Das Tabular Foundation Model (TFM) liefert Vorhersagen auf der Basis strukturierter Unternehmensdaten, ohne dass umfangreiche Data-Science-Expertise oder ein aufwendiges Modelltraining erforderlich sind.

 

Auch der Kauf von Prior Labs ist als Ergänzung des eigenen Foundation Model SAP-RPT-1 zu sehen. TabPFN und SAP-RPT-1 unterscheiden sich in Architektur, Zielsetzung und Datenverständnis. Als vortrainiertes relationales Transformer-Modell lernt SAP-RPT-1 kontextbezogen, um präzise prädiktive Einblicke aus strukturierten Geschäftsdaten zu generieren. Beim Foundation Model von Prior Labs handelt es sich um eine spezialisierte KI für tabellarische Daten und Vorhersagen. Damit stärkt SAP seine Marktposition im Bereich der TFMs.

 

Reltio: Saubere Stammdaten als KI-Voraussetzung

Die cloud-native Reltio-Plattform für das Stammdaten-Management ist in der Lage, Stammdaten – zum Beispiel von Kunden, Produkten oder Lieferanten – in Echtzeit zu konsolidieren, zu bereinigen und zu vernetzen. Was auf den ersten Blick „nur“ nach klassischer Datenhaltung klingt, ist im KI-Zeitalter von entscheidender Bedeutung: Kein Algorithmus ist besser als die Datenbasis, mit der er arbeitet. Doppelte Kundendatensätze, inkonsistente Produktbezeichnungen oder veraltete Lieferanteninformationen untergraben die Qualität jeder KI-Anwendung.

 

Mit Reltio erhält die SAP Business Data Cloud eine Stammdatenschicht. Im Zusammenspiel mit den Funktionalitäten von Dremio entsteht eine Architektur, die Daten nicht nur verbindet, sondern auch sicherstellt, dass diese Daten verlässlich sind – eine Grundvoraussetzung für vertrauenswürdige KI-Szenarien in unternehmenskritischen Prozessen.

 

Drei Bausteine, die das gleiche Ziel adressieren

Auf der Sapphire 2026 hat SAP seine KI-Ausrichtung unmissverständlich formuliert: Business AI soll künftig tief in alle Geschäftsprozesse eingebettet sein – mit SAP Joule als zentraler Interaktionsschicht und der SAP Business Data Cloud als Datenfundament im Rahmen der neu geschaffenen SAP Business AI Platform. Die drei Zukäufe hat SAP in diesem Kontext bewusst getätigt: Dremio liefert einen universellen Datenzugang, Prior Labs schafft eine intelligente Analyseschicht für Strukturdaten in Tabellen und Reltio stellt die für den KI-Einsatz notwendige Datenhygiene her. Zusammen adressieren sie drei typische Schwachstellen bei der KI-Implementierung in Unternehmen: Datensilos, unzureichende Verwertbarkeit von strukturierten Daten und schlechte Stammdatenqualität.

 

Fazit: Die technologischen Voraussetzungen für KI schaffen

Die Übernahmeaktivitäten von SAP folgen einer nachvollziehbaren Logik. Die Zukäufe sind keine Reaktion auf kurzfristige Markttrends, sondern gezielte Investitionen in technologische Grundlagen, ohne die Business AI im SAP-Kontext kaum skalieren kann. Welches Tempo SAP bei der Integration dieser Plattformen in die SAP BDC und das gesamte SAP-Ökosystem anschlägt, bleibt abzuwarten. Die Richtung ist klar – aber die Umsetzung wird entscheiden, ob SAP sein KI-Versprechen einlösen kann.

 

Setzen Sie auf künstliche Intelligenz, die direkt in Ihren Geschäftsprozessen wirkt

Jetzt SAP Business AI entdecken

 

Weitere interessante Beiträge: