Ende 2027 stellt SAP die Mainstream-Wartung für die SAP Business Suite 7 ein. Das betrifft SAP ECC 6.0, SAP CRM, SAP SCM und weitere Komponenten. Das Wartungsende ist ein Schritt, den SAP bereits vor einiger Zeit angekündigt hatte. Trotzdem herrscht bei vielen Unternehmen Unsicherheit: Welche Fristen gelten genau? Was ändert sich wann? Und wie viel Handlungsspielraum bleibt tatsächlich noch?
Dieser Beitrag sortiert die Fakten, ordnet die verschiedenen Zeiträume bzw. Fristen ein und zeigt, welche Optionen Unternehmen realistischerweise haben.
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Die Fristen im Überblick
Rund um das Wartungsende von SAP ECC kursieren verschiedene Jahreszahlen. Das sorgt für Verwirrung, lässt sich aber klar auflösen: Ende 2025 endete die Mainstream-Wartung für SAP ERP 6.0 mit den Enhancement Packages 0 bis 5. Unternehmen, die noch auf diesen Versionen laufen, befinden sich bereits in der sogenannten Customer Specific Maintenance. Das bedeutet: kein regulärer Support, keine gesetzlichen Änderungen, nur noch eingeschränkte Sicherheitsupdates.
Ende 2027 folgt das Wartungsende für SAP ERP 6.0 mit den Enhancement Packages 6 bis 8. Das ist die Frist, die für die Mehrheit der SAP-Bestandskunden relevant ist. Ab diesem Zeitpunkt gibt es weder neue Funktionen noch vollumfänglichen Support. Bis Ende 2030 können Unternehmen allerdings eine optionale Extended Maintenance buchen. Diese verlängert den Support um drei Jahre, kostet aber einen Aufschlag von zwei Prozentpunkten auf die bestehende Wartungsbasis. Die Extended Maintenance ist als Übergangslösung gedacht, nicht als Dauerzustand.
Darüber hinaus gibt es für RISE with SAP-Kunden das Angebot „SAP ERP, Private Edition, Transition Option“, das den Betrieb theoretisch bis 2033 ermöglicht. Diese Option setzt allerdings voraus, dass das Unternehmen bereits auf HANA ist und sich langfristig an das RISE with SAP-Modell bindet.
SAP S/4HANA Compatibility Packs – ein oft übersehener Faktor
Neben den Wartungsfristen gibt es noch die sogenannten SAP S/4HANA Compatibility Packs. Dabei handelt es sich um Funktionalitäten aus der SAP ECC-Welt, die zeitlich befristet in SAP S/4HANA übernommen wurden, weil die Nachfolgefunktionen beim Start von SAP S/4HANA noch nicht verfügbar waren. Die Nutzungsrechte für einen Großteil dieser SAP S/4HANA Compatibility Packs sind bereits Ende 2025 ausgelaufen. Für einige Bereiche wie Transportation Management, Customer Service und bestimmte Funktionen in Production Planning – Process Industries (PP-PI) läuft die Frist bis 31. Dezember 2030.
Was bedeutet das konkret? Unternehmen, die jetzt auf SAP S/4HANA migrieren, müssen das Thema SAP S/4HANA Compatibility Packs direkt mitlösen. Anders als bei früheren Migrationen, bei denen Unternehmen erst technisch umsteigen und sich später um die funktionalen Anpassungen kümmern konnten, fällt heute beides zusammen. Das erhöht den Projektumfang, ist aber machbar, wenn es frühzeitig in der Planung berücksichtigt wird.
Was noch geht
Trotz des nahenden Wartungsendes von SAP ERP gibt es keinen Grund zur Panik. Wer heute mit der Planung beginnt, hat noch genügend Zeit für eine sorgfältige Migration. Typische SAP S/4HANA-Einführungen dauern je nach Umfang zwischen 12 und 24 Monaten. Ein Projektstart Mitte 2026 ist also durchaus realistisch, um bis Ende 2027 produktiv zu sein oder zumindest die Extended Maintenance als Brücke zu verwenden.
Auch wer sich für die Extended Maintenance entscheidet, sollte die gewonnene Zeit aktiv nutzen. Drei Jahre klingen viel, sind es aber nicht, wenn man die Komplexität einer ERP-Transformation berücksichtigt. Vorbereitende Maßnahmen wie die Bereinigung von Stammdaten, die Analyse der Prozesslandschaft und die Evaluierung des passenden Betriebsmodells (on-premise, Private Cloud Edition, Public Cloud Edition) lassen sich bereits jetzt starten.
Was nicht mehr geht
Abwarten und hoffen, dass SAP die Fristen nochmals verlängert, ist keine tragfähige Strategie. SAP hat mit der Wartungszusage für SAP S/4HANA bis 2040 ein klares Signal gesendet: Die Zukunft liegt in SAP S/4HANA und Investitionen in die neueste ERP-Generation sind langfristig abgesichert.
Gleichzeitig wird der Markt für SAP S/4HANA-Berater ab 2027 voraussichtlich noch enger. Laut DSAG-Investitionsreport planen fast 50 % der SAP-Bestandskunden ihre Migration bis Ende 2030. Wer spät startet, konkurriert mit vielen anderen Unternehmen um die gleichen Ressourcen, was zu höheren Kosten und längeren Vorlaufzeiten führt.
Auch das Thema 3rd-Party-Support wird gelegentlich als Alternative diskutiert. Bestimmte Anbieter versprechen, SAP ECC für weitere Jahre zu unterstützen. Was dabei oft übersehen wird: Diese Angebote decken den laufenden Betrieb ab, bieten aber keinen Zugang zu SAP-Innovationen, keinen Support für gesetzliche Änderungen in der gewohnten Geschwindigkeit und keine Perspektive für eine Weiterentwicklung der IT-Landschaft. Zur kurzfristigen Überbrückung vielleicht eine Option, als langfristige Strategie absolut nicht empfehlenswert.
Fazit: Die Frage ist nicht ob, sondern wann
Das Wartungsende für SAP ECC ist mittlerweile allseits bekannt und kein plötzlicher Stichtag. Es handelt sich um einen klar abgesteckten Zeitrahmen, der Unternehmen genügend Spielraum für eine geordnete Transition gibt. Vorausgesetzt, man weiß diesen Spielraum zu nutzen. Der erste Schritt muss nicht gleich eine vollumfängliche Migrationsentscheidung sein. Eine Bestandsaufnahme der aktuellen Systemlandschaft, eine realistische Einschätzung des Migrationsaufwands und ein Abgleich mit den verfügbaren Ressourcen reichen aus, um die Weichen richtig zu stellen. Wer diese Hausaufgaben heute macht, hat morgen deutlich mehr Optionen.
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