Nicht nur nach Rom führen viele Wege, sondern auch zu BW/4HANA. Jedes Unternehmen muss individuell entscheiden, wie es von einem älteren BW-System auf das aktuelle Business Warehouse von SAP konvertiert. Dabei stehen verschiedene Optionen zur Auswahl.

 

In-place, Remote oder Shell?

Bei der In-place Conversion wird eine bestehende BW-Installation komplett im System migriert. Anschließend wird das System technisch auf BW/4HANA gebracht. Bei der Migration der klassischen BW-Objekte mit einzelnen Datensträngen in BW/4-konforme Objekte ist es möglich, schrittweise vorzugehen und einzelne Datenstränge auszuwählen. Voraussetzung für die In-Place Conversion ist mindestens das Release BW 7.5 SP5 mit einer darunterliegenden HANA-Datenbank. SAP empfiehlt allerdings BW 7.5 SP12.

 

Die Remote Conversion ähnelt einem Greenfield-Ansatz, bei dem das BW-System neu aufgesetzt wird. Es lassen sich Carve-out- und Konsolidierungsszenarien verwirklichen, indem die benötigten Datenmodelle in das neue BW/4HANA-System übertragen werden. Der größte Vorteil dieser Methode besteht im minimierten Risiko: Es gibt keine Downtime und das alte BW-System bleibt weiterhin vorhanden. Daraus ergibt sich allerdings ein erhöhter Aufwand, da für einen gewissen Zeitraum beide Systeme parallel in Betrieb sind. Die Remote Conversion erfordert mindestens BW 7.3 on any DB.

 

Die Shell Conversion lässt sich als Remote Conversion ohne Datenübertragung bezeichnen. Als Gerüst des Systems werden lediglich die Metadaten übertragen, aber es gibt keine Datenhistorie. Die Shell Conversion ist sozusagen ein schneller Greenfield-Ansatz. Release-Voraussetzung ist mindestens SAP BW 7.0 on any DB.

 

Die richtigen Voraussetzungen schaffen

Mittlerweile sind die beschriebenen Konversionswege für alle SAP-Kunden und -Partner verfügbar und können ausgeführt werden – unter der Bedingung, dass ein bestimmtes Servicepack vorhanden ist. So erfordern die Pre-Checks mindestens BW 7.0 SP25. Für die In-place Conversion wird zwingend eine HANA-Datenbank benötigt. Befindet sich das BW-System unterhalb der Mindestanforderungen, ist es nicht möglich, die Migration durchzuführen.

 

Die Erfahrung zeigt, dass es sinnvoll ist, immer das neueste Servicepack zu installieren und von dieser Basis aus die Migration zu starten. Dadurch sinkt der Aufwand, in der Pre-Check-Phase SAP Notes zu installieren und das System auf die Konvertierung vorzubereiten. Die Migration eines BW 7.51 oder höher wird aktuell nicht unterstützt, weswegen davon abzuraten ist, auf dieses Level zu gehen.

 

Ablauf der In-place Conversion

Eine In-place Conversion besteht aus der Prepare- und der Realize-Phase. Für eine erfolgreiche BW-Migration ist insbesondere die Prepare-Phase entscheidend. Die Pre-Checks, die wichtigste Etappe der Prepare-Phase, geben einen Überblick darüber, was im aktuellen BW-System vorhanden ist und was noch zu tun ist, um den Schritt auf BW/4HANA gehen zu können.

 

Hat ein Unternehmen in der Prepare-Phase sauber und gewissenhaft gearbeitet, muss es in der anschließenden Realize-Phase nur noch das abarbeiten, was es zuvor vorbereitet, erstellt und vorgegeben hat. Die In-place Conversion erfordert auf jeden Fall eine Downtime des Systems. Die technische Migration lässt sich allerdings gut an einem Wochenende schaffen, sodass die Auswirkungen auf den laufenden Betrieb minimal bleiben.

 

Modus für Modus zu BW/4HANA

Auf dem Weg zu BW/4HANA durchläuft das BW-System verschiedene Modi: BW Mode, Compatibility Mode, B4H Mode und Ready for Conversion. Generelle Voraussetzung für die In-place Conversion ist das BW/4HANA-Add-on, dessen Installation das BW-System automatisch in den Compatbility Mode bringt. Die einzige Einschränkung auf diesem Level ist, dass sich keine neuen Szenarien mehr mit alten Objekten erstellen lassen. Die letzten beiden Modi B4H und Ready for Conversion sollten erst ganz am Ende gesetzt werden. Sie dienen ausschließlich dazu, die Migration durchführen zu können.

 

Was ist in der Prepare-Phase zu tun?

Der erste Schritt bei der In-place-Conversion ist die Installation des BW4HANA-Add-ons und der relevanten SAP Notes. Je höher das Servicepack, desto geringer ist die Zahl der Notes, die noch installiert werden müssen. Anschließend gilt es, die notwendigen Analysetools zu implementieren. Diese analysieren in der Pre-Check-Phase die Quell- und BW-Systeme. Eine File-System-Anbindung (zum Beispiel ein Excel-Upload) ist in SAP BW/4HANA weiterhin möglich.

 

Eine weitere Aufgabe besteht darin, die Reporting- und Planungsdatenmodelle hinsichtlich ihrer Komplexität und Verwendung zu prüfen: Handelt es sich überwiegend um den SAP-Standard oder gibt es viele Eigenimplementierungen? Je nachdem, wie die Antwort ausfällt, fällt oder steigt die Komplexität des gesamten Migrationsprojekts. Die Datenmodelle müssen in sinnvolle, nicht zu große Scopes geclustert werden, sodass eine einfache Migration gewährleistet ist. Anhand der Auswertungen sollten Unternehmen auch noch einmal überprüfen, ob die In-place Conversion tatsächlich den besten Migrationsweg darstellt. Eventuell könnte auch ein Greenfield-Ansatz mit anschließender Remote Conversion der Datenmodelle die sinnvollere Alternative sein.

 

Tools ermitteln die To-dos

Für die Pre-Checks bietet SAP verschiedene Analysetools. Das Checklist-Tool weist auf grundlegende Sachverhalte hin, zum Beispiel auf ein inaktives Objekt, das aktiviert werden muss. Um die verschiedenen Modi setzen zu können, die das System auf dem Weg zu BW/4HANA durchläuft, müssen jeweils bestimmte Anforderungen gegeben sein. Entsprechende Switch-Mode-Analysetools prüfen, ob das System alle Voraussetzungen erfüllt, um in den nächsten Modus zu kommen. Der Code Scan analysiert die Programmierungen im Hinblick auf die Kompatibilität mit BW/4HANA. Anhand der Bewertung der Ergebnisse, welche die verschiedenen Analysetools liefern, wird als abschließender Schritt der Prepare-Phase die Migrationsstrategie endgültig festgelegt.

 

Die Erkenntnisse der Prepare-Phase lassen sich in einem Migrationskonzept zusammenfassen. Dieses sollte eine Aufwandsschätzung auf der Grundlage der durchgeführten Analysen, eine Risikoanalyse und die Wahl der richtigen Migrationsstrategie beinhalten. Außerdem gehören das Erstellen eines Projektplans mit allen relevanten Aufgaben und das Konzipieren der künftigen BW/4HANA-Systemarchitektur in ein aussagekräftiges Migrationskonzept. Es fasst sämtliche Schritte zusammen, die erforderlich sind, um auf BW/4HANA zu gehen. Was auf die Prepare-Phase folgt, ist lediglich noch das Abarbeiten der Scope-Transfers.

 

Fazit: Worauf es bei der BW/4HANA-Migration ankommt

Aus erfolgreich abgeschlossenen BW/4HANA-Migrationsprojekten lässt sich eine Reihe von Erkenntnissen ableiten, die es bei der Migration zu beachten gilt. Wie erwähnt, ist es ratsam, keine zu großen Scopes von Datenmodellen zu bündeln. Für den Migrationserfolg spielt die Prepare-Phase die entscheidende Rolle. Sie legt die Grundlage für einen reibungslosen Verlauf der anschließenden Realize-Phase. Der Scope-Transfer und die technische Migration müssen pro System (zum Beispiel Entwicklungs-, Qualitätssicherungs- und Produktivsystem) separat durchgeführt werden. Es ist nicht möglich, ein im Entwicklungssystem migriertes Objekt in das Q- oder P-System zu transportieren. Ein Transport von einem System in das andere ist nicht möglich. Zudem sollte immer der minimale Scope gewählt werden.

 

Es ist ratsam, stets das neueste Servicepack-Level einzuspielen. Die technische Migration ist mit einer Downtime von einem Wochenende zu schaffen. 3.x-Objekte müssen vor der Migration zu 7.x-Objekten migriert oder gelöscht werden. Sie dürfen nicht mehr auf dem System vorhanden sein, da BW/4HANA mit ihnen nicht umgehen kann. Die Anwendungen funktionieren in der Regel ohne Probleme weiter.

 

Die bewährte Vorgehensweise ist es, das System im Compatibility Mode auf die Migration vorzubereiten, erst im Anschluss die beiden restlichen Modi zu setzen und sofort die technische Migration durchzuführen. Die External Views von SAP HANA werden automatisch migriert. Um die Planungsfunktionen in BW/4HANA nutzen zu können, ist die Installation des BW/4HANA-Add-ons und eine Lizenz für „SAP BusinessObjects Planning and Consolidation, Version für SAP BW/4HANA“ erforderlich.

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