Datenbasierte Entscheidungen und agilere Produktionsprozesse sind zwei wesentliche Vorteile, die das Industrial Internet of Things (IIoT) bietet. Damit können Unternehmen besser auf Risiken und unvorhergesehene Probleme in ihren Liefer- und Wertschöpfungsketten reagieren. Aber trotz dieser unbestrittenen Vorteile des IIoT stagniert die Umsetzung von IIoT-Projekten in deutschen Industrieunternehmen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie von IDC.

 

Weniger als ein Drittel mit IIoT-Projekten

Demnach haben 29 % der befragten Unternehmen bisher IIoT-Projekte aktiv umgesetzt. Zwar beschäftigt sich ein Großteil der Unternehmen durchaus mit dem Thema Industrial Internet of Things und befindet sich nach eigenen Angaben in der Phase der Recherche (20 %), der Evaluation (30 %) oder der Planung (20 %). Der Schritt zum Handeln und zur tatsächlichen Umsetzung fällt ihnen aber offensichtlich schwer.

 

Eine mögliche Ursache ist die wirtschaftliche Gesamtsituation, die in den vergangenen beiden Jahren von gestörten Lieferketten, hohen Frachtkosten und steigenden Energiepreisen geprägt war. Der Krieg in der Ukraine verstärkt die Unsicherheit für die Unternehmen noch einmal. Dementsprechend liegt der Fokus der Unternehmen aktuell vor allem auf der Steigerung der Gewinne und der Senkung der Kosten (40 %), der Erhöhung der Produktivität (38 %) sowie der Verbesserung der Kundenbindung (29 %). Auf operativer Seite stehen die Verringerung von Ausfallzeiten (29 %), die Senkung der Ressourcen- und Energiekosten (28 %) sowie die Reduzierung der Ausschussraten (26 %) im Vordergrund.

 

Eigentlich würden gerade das IIoT und eine datengetriebene Unternehmenskultur ideale Voraussetzungen schaffen, um den Ungewissheiten und kurzfristigen Veränderungen der jüngeren Vergangenheit effektiv zu begegnen und mit neuen datenbasierten Produkten, Services und Geschäftsmodellen darauf zu reagieren. Der geringe Umsetzungsgrad des IIoT wirkt sich für die deutschen Unternehmen also in den aktuellen Zeiten besonders nachteilig aus.

 

Erfolge werden zu selten gemessen

Bei den Unternehmen, die das Industrial Internet of Things nutzen, ist die Erfolgsmessung ausbaufähig. Nur ein Drittel von ihnen überprüft derzeit, ob die vom IIoT erhofften Vorteile auch tatsächlich erzielt werden. Und nur 13 % der deutschen Industrieunternehmen verfolgen eine ganzheitliche Daten- und Analytics-Strategie, die sämtliche Projekte und Daten integriert.

 

Eine solche Strategie ist eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg von IIoT und das generelle Gelingen der digitalen Transformation. Die größten Hemmnisse in Bezug auf Analytics und unterstützende Technologien wie künstliche Intelligenz oder maschinelles Lernen sind hohe Kosten und mangelnde Budgets (30 %), Sicherheit und Compliance (24 %) sowie die fehlende Integrationsfähigkeit von Datenquellen und dem Datenwachstum (jeweils 20 %).

 

Ökosysteme gewinnen an Bedeutung

In branchenweiten oder sogar branchenübergreifenden Zusammenschlüssen von Industrieunternehmen im Sinne von Ökosystemen sehen die Befragten der IDC-Studie großes Potenzial. 75 % geben an, bereits Teil eines solchen Ökosystems zu sein. Dabei spielen insbesondere schnelle Innovationen (31 %), neue Umsatzpotenziale (29 %) sowie die höhere Qualität und Sicherheit der eigenen Produkte (16 %) als Argumente eine Rolle.

 

IDC geht davon aus, dass 2026 fast ein Drittel aller Umsätze der größten Unternehmen weltweit aus gemeinsam genutzten Daten, Anwendungen und operativen Initiativen innerhalb solcher Ökosysteme resultieren wird. Voraussetzung für eine erfolgreiche datenbasierte Zusammenarbeit über Unternehmensgrenzen hinweg sind ein einwandfreies Datenmanagement, der Schutz von geistigem Eigentum sowie die Kontrolle über Daten und Datenzugriffe.

 

Fazit: Luft nach oben beim IIoT

Bei der Verwendung des Industrial Internet of Things haben deutsche Industrieunternehmen noch erheblich Luft nach oben. Wenigen Vorreitern stehen viele Nachzügler gegenüber, die das Thema noch nicht entscheidend vorangetrieben haben. Die realisierten IIoT-Anwendungsszenarien sind eher auf die Optimierung des Status quo als auf die Transformation von traditionellen Prozessen und Geschäftsmodellen ausgerichtet. Die Anwendung von IIoT ist ein wichtiger Schritt, damit Industrieunternehmen in ihrer Branche relevant bleiben sowie datenbasierte Geschäftsmodelle verfolgen und agile Wertschöpfung in Ökosystemen betreiben können. Es gilt, die vorhandenen Ansätze auszubauen und in den Kontext einer ganzheitlichen Digitalisierung und Datenstrategie zu stellen.

 
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