SAP bietet drei Environments: SAP Neo und SAP Cloud Foundry und Kyma. SAP Neo ist das älteste der drei Environments. Es war einst gemeinsam mit der SAP Cloud Platform, die inzwischen in der SAP Business Technology Platform aufgegangen ist, eingeführt worden, um Erweiterungen in der Cloud zu entwickeln, Services bereitzustellen und Prozesse zu automatisieren. SAP Cloud Foundry kam später als zweites Environment hinzu, um speziell Multi-Cloud-Ansätze zu bedienen. Mit dem Einsatz von Open Source und der freien Wahl eines Hyperscalers für den Betrieb der Cloud-Plattform ist SAP Cloud Foundry gezielter auf die Anforderungen moderner IT-Landschaften ausgerichtet als SAP Neo.

 

Welches Environment soll es sein?

Angesichts von drei Environments stehen Unternehmen vor der Frage, für welche sie sich entscheiden sollen. Wer sich jetzt erstmals mit dem Thema SAP Business Technology Platform beschäftigt und neu einsteigen möchte, sollte SAP Cloud Foundry wählen. Als neueres Environment bietet SAP Cloud Foundry insgesamt mehr Möglichkeiten. Hinzu kommt, dass SAP Innovationen und neue Services auf längere Sicht nur noch in SAP Cloud Foundry umsetzen wird. Ein Zeichen dafür, wo die künftigen Prioritäten von SAP liegen, ist die Tatsache, dass es inzwischen keine Test-Accounts mehr für SAP Neo gibt, um das Environment auszuprobieren. Dementsprechend werden auch Unternehmen, die aktuell SAP Neo im Einsatz haben, irgendwann nicht umhinkommen, auf SAP Cloud Foundry zu wechseln.

 

Hauptunterschiede zwischen SAP Neo und SAP Cloud Foundry

Während SAP Neo in SAP-Rechenzentren gehostet wird, kann der Betrieb von SAP Cloud Foundry durch einen beliebigen Infrastructure-as-a-Service-Anbieter (Hyperscaler) erfolgen – von AWS über Microsoft Azure bis hin zur Google Cloud Platform. Die Frage nach dem besten Hyperscaler für SAP Cloud Foundry lässt sich nicht pauschal beantworten. Vielmehr hängt die Entscheidung von der jeweiligen IT-Strategie ab. Unternehmen haben jedoch die Gewissheit, dass sie ihr Environment dort betreiben können, wo sich die Anwender befinden, was hohe Latenzzeiten vermeidet.

 

SAP Neo unterstützt einen festen Umfang von Laufzeitumgebungen und Programmiersprachen. SAP Cloud Foundry bietet diesbezüglich mehr Vielfalt und sogar eine Bring-your-own-language-Option. Um Erweiterungen für den digitalen Kern zu bauen, können Entwickler beispielsweise Node.js verwenden und sind nicht auf ABAP angewiesen. SAP Neo unterstützt ausschließlich SAP-Dienste, SAP Cloud Foundry daneben auch weitere Dienste, die vom jeweiligen Hyperscaler verwaltet werden – zum Beispiel die IoT-Szenarien von Microsoft Azure oder AWS. Solche Dienste lassen sich leicht in SAP Cloud Foundry integrieren.

 

Mittlerweile sind nahezu alle Services, die es auf SAP Neo gibt, auch auf SAP Cloud Foundry verfügbar. Darüber hinaus bietet SAP Cloud Foundry Services, die es unter SAP Neo nie gegeben hat. Umgekehrt wurden aber auch manche Services von SAP Neo nicht mehr für SAP Cloud Foundry umgesetzt. Was die Datenbank angeht, läuft SAP Neo auf HANA 1.0 und native Entwicklungen werden unter XS-Classic getätigt. Im Gegensatz dazu basiert SAP Cloud Foundry auf HANA 2.0, für native Entwicklungen kommt XS-Advanced zum Einsatz.

 

Argumente für SAP Cloud Foundry

Für eine Migration auf SAP Cloud Foundry sprechen mehrere Gründe. Es handelt sich um ein State-of-the-art-Environment, das die Erwartungen an eine moderne Erweiterungsplattform umfassender erfüllt als SAP Neo. Fachbereichsanforderungen können unter Umständen Services erforderlich machen, die ausschließlich auf SAP Cloud Foundry verfügbar sind. Je umfangreicher die Inhalte auf SAP Neo sind, umso komplexer ist die Migration. Indem Unternehmen den Wechsel aufschieben, wird der spätere Umzug teurer, da schlicht mehr personelle Ressourcen erforderlich sind, um sämtliche Inhalte von SAP Neo auf SAP Cloud Foundry zu übertragen.

 

Darüber hinaus bietet SAP Cloud Foundry mehr Flexibilität. Mit sogenannten Spaces lassen sich etwaige Governance-Anforderungen erfüllen, indem bestimmte Unternehmensdaten innerhalb des Environment abgegrenzt werden können. Für Entwickler ist wichtig zu wissen, dass das SAP Business Application Studio die bisherige SAP Web IDE als Entwicklungswerkzeug ersetzt. Damit gehen allerdings keine funktionalen Einschränkungen einher. Monolithische Java-Apps, wie man sie von SAP Neo kennt, werden unter SAP Cloud Foundry aufgebrochen und als Mikroservices zum Laufen gebracht.

 

Für die künftige IT-Architektur von Unternehmen ist SAP Cloud Foundry im Rahmen der SAP Business Technology Platform von elementarer Bedeutung. Denn App-Erweiterungen, die den SAP-Standard um zusätzliche Funktionalitäten ergänzen, werden auf der SAP Business Technology Platform umgesetzt. Für das Entwickeln von Erweiterungen, das Realisieren von Integrationen und das Bereitstellen von UX-Services ist SAP Cloud Foundry als Environment erforderlich.

 

Use Cases mit SAP Cloud Foundry

Aufgrund der jeweiligen Anforderungen kommt bei manchen Use Cases ausschließlich SAP Cloud Foundry als Environment infrage.

 

Distributed Cloud

Für global aufgestellte Unternehmen kann es sinnvoll sein, ihre Cloud-Plattformen bei verschiedenen Hyperscalern auf der ganzen Welt zu verteilen, um hohe Latenzzeiten zu vermeiden. Soll eine Business-Applikation weltweit genutzt werden, lassen sich mehrere produktive Sub-Accounts erstellen und in unterschiedlichen Ländern bzw. auf verschiedenen Kontinenten hosten. Der Entwicklungsaufwand bleibt in einem solchen Fall nahezu unverändert, die Anwendung muss lediglich mehrmals deployed werden.

 

Cloud Application Programming Model (CAPM)

Beim CAPM handelt es sich um ein Best Practice mit Sprachen, Libraries und Werkzeugen für den Aufbau von Applikationen und Diensten auf Unternehmensebene. Die Erstellung erfolgt in Form von identisch aufgebauten Mikroservices und Applikationen. Dadurch lassen sich die Anwendungen leichter warten, zudem können auch eigene Sprachen wie Java oder Node.js verwendet werden und ABAP ist nicht zwingend notwendig.

 

Event Mesh

Event Mesh ist ein Cloud-Service für die Kommunikation von Anwendungen über asynchrone Ereignisse. Das eventbasierte Starten von Prozessen kommt beispielsweise bei SAP S/4HANA-Extensions zum Tragen, bei denen 3rd-Party-Applikationen mitwirken. Eine solche eventbasierte Architektur ist nur mit SAP Cloud Foundry als Environment umsetzbar.

 

Workflow Management

Die Digitalisierung von unternehmenseigenen Workflows unterstützt SAP auf SAP Cloud Foundry bereits im Standard mit dem Ausrollen von fertigen Workflows. Die Zahl der angebotenen Workflows nimmt kontinuierlich zu.

 

Ablauf eines Migrationsprojekts

Ein Migrationsprojekt, das den Wechsel von SAP Neo zu SAP Cloud Foundry zum Ziel hat, gliedert sich in die folgenden Projektschritte:

 

Scope Scan

Zunächst ist es hilfreich, alle Inhalte aufzulisten, die auf der SAP Cloud Platform vorhanden sind. Dazu zählen HANA-Artefakte, UI5-Apps, Destinations, Services, Integration Packages etc. Die Liste dient als Basis für das Projektmanagement. Die Elemente werden im Hinblick auf ihre Funktionsfähigkeit unter SAP Cloud Foundry bewertet. So wird ersichtlich, welche Arbeiten erforderlich sind und welche Aufwände dadurch entstehen.

 

Betriebskonzept

Ein Review des bestehenden Betriebskonzepts ist sinnvoll. Es umfasst die Aspekte Business Application Studio, Transportwesen, Spaces, HANA 2.0 und Services. Auch die Wahl des Hyperscalers fällt in diese Projektphase.

 

Projektinitiierung

Jetzt gilt es, das genaue Projektvorgehen festzulegen. Der Scope kann in Einzelschritten migriert und live geschaltet werden. Weitere Schritte sind das Informieren der Stakeholder und Key User, um die Fachbereiche entsprechend abzuholen, sowie das Vorbereiten des User Acceptance Test (UAT).

 

Infrastruktur-Setup

Als nächstes folgt das Aufsetzen der neuen Sub-Accounts und der Spaces. Auch das Setup des Identity Authentication Service (IAS) und des Identity Provisioning Service (IPS) sowie das Hinzufügen von Destinations gehören in diese Phase. Wenn die Infrastruktur frühzeitig steht, lassen sich Entwicklungsstopps (Code Freeze) ganz vermeiden oder zumindest zeitlich stark begrenzen.

 

Migration

Alle Apps, Daten, Services und Integration Packages werden auf das neue Environment migriert.

 

User Acceptance Test (UAT)

Das Projektteam begleitet den UAT, um festzustellen, ob die Anwendungen den Anforderungen der Nutzer entsprechen.

 

Go-Live

Der Go-Live ist der finale Schritt im Migrationsprojekt. Nach gelungener Migration kann die SAP Neo-Umgebung abgeschaltet werden. Das begrenzt den Zeitraum, in dem Subscriptions für SAP Neo und für SAP Cloud Foundry fällig werden und dadurch doppelte Kosten entstehen.

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