Mit SAP BW/4HANA können Unternehmen Daten abteilungsübergreifend konsolidieren und erhalten eine konsistente, abgestimmte Sicht darauf. In der Praxis ist die On-Premise-Lösung jedoch noch nicht flächendeckend verbreitet. Viele Unternehmen warten mit der Einführung bzw. haben offenbar gar nicht vor, auf SAP BW/4HANA zu wechseln.

 

DSAG sieht verschiedene Ursachen

Mögliche Gründe für diese Zurückhaltung erörtert die Deutschsprachige SAP-Anwendergruppe (DSAG) im „DSAG-Positionspapier BW/4HANA“. Einen wesentlichen Faktor für die zögerliche Haltung der Unternehmen in Sachen SAP BW/4HANA sieht die DSAG in der strategischen Verunsicherung. Den Anwenderunternehmen ist nicht klar, welche Rolle SAP BW/4HANA in der langfristigen SAP-Strategie für das Data Warehousing spielt. Woran das liegt? Zum einen wird das operative Reporting in SAP S/4HANA ausgebaut, zum anderen gibt es Lösungen wie SAP Data Intelligence und SAP Data Warehouse Cloud, deren Funktionalitäten sich mit SAP BW/4HANA überschneiden.

 

Zweifel an der Zukunftsfähigkeit von SAP BW/4HANA

Auch andere Faktoren lassen aus Sicht der DSAG bei den Unternehmen zumindest Zweifel an der Zukunftsfähigkeit von SAP BW/4HANA aufkommen. Als reines Cloud-Produkt scheint die SAP Data Warehouse Cloud besser zur allgemeinen Ausrichtung von SAP zu passen, die das Thema Cloud künftig noch deutlicher als bisher vorantreiben wird. Auf der Roadmap von SAP BW/4HANA finden sich keine wirklichen Innovationen, sondern eher punktuelle Weiterentwicklungen.

 

Hinzu kommt, dass es von SAP bisher kein eindeutiges Statement bezüglich der Positionierung von SAP BW/4HANA gibt. Genau das wäre aber aus DSAG-Sicht notwendig, um der bestehenden Unsicherheit entgegenzuwirken. Im „DSAG-Positionspapier BW/4HANA“ wird argumentiert, dass SAP Antworten liefern müsse, wie die verschiedenen analytischen Produkte zueinander positioniert sind, ob die SAP Data Warehouse Cloud langfristig der Nachfolger von SAP BW/4HANA sein wird und wie sich die SAP-Lösungen gegenüber Nicht-SAP-Anwendungen verhalten.

 

Mehr Optionen bedeuten mehr Möglichkeiten

Die Tatsache, dass SAP mehrere Optionen für das Data Warehousing im Portfolio hat, bietet allerdings auch Chancen für die SAP-Kunden, so Loren Heilig, Geschäftsführer von IBsolution: „Der Zeitpunkt ist gekommen, dass Unternehmen ihre BW-Architektur auf den Prüfstand stellen und sich von reinen On-Premise-Landschaften verabschieden. Mit der SAP Data Warehouse Cloud und den verschiedenen Frontend-Tools vereint SAP mehrere Lösungen auf einer Plattform, die es Unternehmen erlaubt, unterschiedliche Tools zu kombinieren anstatt eine bloße Migration ihres BW-7.x-Systems durchzuführen.“

 

Und genau hier spielen Cloud-Lösungen ihre Stärke aus. Beispielsweise sind die Aufwände für die Systemanbindung und die Datenmodellierung bei der SAP Data Warehouse Cloud deutlich geringer als bei SAP BW. „Es geht künftig weniger darum, sich auf eine bestimmte Lösung festzulegen, sondern vielmehr um die Frage, wie sich die vorhandenen Werkzeuge bestmöglich kombinieren lassen, um die spezifischen Business-Anforderungen eines Unternehmens zu erfüllen“, erklärt Loren Heilig.

 

Innovationen als vertrauensbildende Maßnahme?

Was das Vertrauen von SAP BW/4HANA aus DSAG-Perspektive stärken könnte, ist die Umsetzung von Innovationen und zusätzlichen Funktionalitäten. Dringenden Handlungsbedarf sehen die Autoren des Positionspapiers unter anderem bei der Schaffung einer einheitlichen Entwicklungsumgebung, der Integration eines eigenen Frontends, der Möglichkeit einer gemeinsamen Datenmodellierung zwischen IT und Fachbereich, einer Out-of-the-box-Lösung für den Umgang mit semistrukturierten Daten wie JSON und XML sowie der Nutzung von maschinellem Lernen und künstlicher Intelligenz.

 

Zudem sind für die DSAG die Lizenzen ein Hebel, um die Investitionsmüdigkeit in Sachen SAP BW/4HANA zu überwinden. Die deutschsprachige SAP-Anwendergruppe kritisiert, dass das Lizenzmodell von SAP BW/4HANA in sich nicht konsistent sei, eine Frontend-Lizenz fehle und die Planung eine weitere Lizenz erforderlich mache. Daher appelliert die DSAG an SAP, das Lizenzmodell von SAP BW/4HANA einfacher, transparenter und verlässlicher zu machen.

 

Unternehmen wollen Sicherheit

Erst wenn die Anwenderunternehmen das Gefühl haben, eine befriedigende Antwort auf diese Frage bekommen zu haben, werden sie aus Sicht der DSAG ihre Zurückhaltung hinsichtlich des Umstiegs auf SAP BW/4HANA überwinden. Es geht um die Gewissheit, dass getätigte Investitionen langfristig sicher sind und SAP BW/4HANA als On-Premise-Lösung im Data-Warehouse-Konzept von SAP auch in Zukunft eine zentrale Rolle spielen wird.

 

Für Loren Heilig steht fest, dass die Unternehmen keine Zeit dabei verlieren sollten, die Weichen für die Zukunft in Sachen Reporting, Analytics und Planung zu stellen: „Grundsätzlich spricht nichts dagegen, mit SAP BW 7.5 bis 2027 oder 2030 weiterzumachen. Allerdings lässt man dadurch das enorme Potenzial ungenutzt, das sich aus der Vielzahl der mittlerweile verfügbaren Business-Intelligence-Tools ergibt. Ich denke beispielsweise an die Möglichkeit, verschiedene Data Warehouses zusammenzufassen und durch die vereinfachte Integration von Systemen nicht nur Finanz- und Logistikdaten, sondern auch Marketing- und CRM-Daten für Auswertungen verfügbar zu machen. Meine Empfehlung lautet daher, sich schon jetzt mit den neuen Werkzeugen sowie den damit verbundenen Chancen vertraut zu machen und auf dieser Grundlage eine leistungsfähige BI-Landschaft zu errichten, die optimal zu den Anforderungen des jeweiligen Unternehmens passt.“

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